Kandidaten stellen sich den Fragen der Bürger

Bürgermeister Paul Hoene und Herausforderer Christian Mannitz standen bei einer Podiumsdiskussion in Wankum Rede und Antwort.

Wachtendonks Bürgermeister Paul Hoene (linker Stehtisch) und CDU-Bürgermeisterkandidat Christian Mannitz sprachen in Wankum.

Wankum Gut besucht war die Podiumsdiskussion der Wachtendonker Bürgermeister-Kandidaten am Donnerstagabend in Wankum. Veranstalter war die Wankumer Wählergemeinschaft (WWG). Die WWG, nach der CDU aktuell die zweitstärkste Kraft im Gemeinderat, hatte sich dazu entschieden, weder einen eigenen Kandidaten aufzustellen, noch einen Kandidaten direkt zu unterstützen. „Weil die Bürger ihren Bürgermeister selbst wählen sollen“, erklärte WWG-Vorsitzender Peter Philipps, der sich beim Gastgeber bedankte, dass die Versammlung in den Räumen der Autowerkstatt Koenen stattfinden konnte. „Frank Isler von der SPD hat leider absagen müssen“, teilte Philipps mit. So erlebten rund 90 Besucher ein Duell zwischen Paul Hoene, der aus dem Amt heraus wieder antritt, und seinem Herausforderer Christian Mannitz von der CDU.

Jeweils 15 Minuten konnten die Kandidaten frei reden, ehe sie sich den Fragen der Bürger stellten. Paul Hoene stellte die Erfolge seiner ersten Amtszeit heraus. „Eine Studie zur Verwaltung war bedauerlicherweise katastrophal. Heute gibt es einen ganz anderen Führungsstil“, sagte Hoene. Das führe dazu, dass die Mitarbeiter gerne für die Gemeinde arbeiteten und dass man keine Probleme habe, freie Stellen neu zu besetzen. Der 47-Jährige verwies auf die neue Homepage mit Mängelmelder, auf neue Kanäle in sozialen Medien und auf die wöchentliche Freitags-Info, mit denen die Bürger auf dem neuesten Stand gehalten würden.

Hoene nannte Baumaßnahmen wie die Aerbecker Straße, die Nettebrücke oder den Friedensplatz. Er verwies auf eine neue Kita und den Ausbau des Ganztags an den Grundschulen, auf das Grundstück für die Bürgerhalle und auf die Buslinie SB41. Außerdem sei die Gemeinde ein Vorreiter in Sachen Digitalisierung. „Vielleicht ist es mehr, was in den letzten fünf Jahren erreicht wurde, als in den zehn Jahren zuvor“, sagte Hoene. Die Gemeinde möchte er bis 2035 weiterentwickeln. „Wir werden zu einem Schlafdorf, wenn wir so weitermachen“, sagte Hoene. Stattdessen wünscht er sich eine dynamische Gemeinde mit vielen jungen Familien und einer starken Dorfgemeinschaft.

Herausforderer Christian Mannitz stellte sich als Ur-Wachtendonker vor. Der 44-Jährige lebt seit seiner Geburt in der Gemeinde und führt als selbstständiger Gewürzhändler das Familienunternehmen in der dritten Generation. Für die Gemeinde wünscht er sich mehr Tempo. „Ich habe gesehen, dass es schneller gehen muss, und ich glaube auch, dass es schneller geht“, sagte Mannitz. Als Bürgermeister würde er besser und enger mit der Politik, aber auch mit den Vereinen im Ort zusammenarbeiten. Der 44-Jährige verwies auf seine Erfahrung. Schon als junger Mann saß er im Gemeinderat, war Kinder- und Jugendbürgermeister, damals habe er viel lernen können.

Beim Bau fordert er Offenheit für Konzepte wie Tiny Houses und Lückenschlüsse. Gewerbegebiete möchte er verstärkt entwickeln. „Es fehlt Platz, wir wollen Gewerbesteuereinnahmen generieren“, sagte Mannitz. Bei den Ausgaben sei ein bewusster Umgang mit dem Geld notwendig. „Man kann nicht immer nach Steuererhöhungen schreien“, sagte Mannitz und: „Mein Weg ist noch nicht zu Ende, weil Wachtendonk mehr als eine Herzensangelegenheit ist.“

Ein Thema bei den Bürgern waren die gestiegenen Personalkosten bei der Gemeinde, und wie man die reduzieren könne. „Wir müssen das gesamte Rathaus unter die Lupe nehmen“, forderte Mannitz, „von immer weiteren Einstellungen halte ich gar nichts.“ „Es sind immer mehr Aufgaben hinzugekommen“, hielt Bürgermeister Hoene entgegen, statt drei Unterbringungseinrichtungen waren es auf einmal 16. Irgendwann können Künstliche Intelligenz helfen, Arbeitskraft einzusparen, aber so weit sei man noch nicht. „Jetzt Stellen zu streichen, das sollten wir nicht tun“, so Hoene.

Auf fehlende Plätze in Seniorenheimen und bei der Tagespflege angesprochen, sagte Hoene: „Das muss jetzt in einem Baugebiet entstehen, wir haben Kontakt mit einem Investor aufgenommen, der großes Interesse hat.“ Mannitz meinte: „Mit einer weiteren Residenz werden wir nicht auskommen.“ Der CDU-Kandidat wurde auch nach seiner beruflichen Zukunft gefragt. „Sollte ich die Wahl gewinnen, bin ich kein Gewürzhändler mehr“, stellte Mannitz klar.

Wie man zu der drohenden Haushaltssicherung stehe, wurde ebenfalls gefragt. „Die droht uns seit drei Jahren, wir müssen aufpassen, dass wir im konsumtiven Bereich nicht zu viel ausgeben. Wir bereiten uns so gut es geht vor, aber von 396 Städten und Gemeinden sind aktuell 376 in dieser Situation“, sagte Hoene. Sein Gegenüber Mannitz hielt dagegen: „Wir müssen auch unsere Kostenstruktur überdenken.“

Auch zu Themen wie Ärzten, Schulen, Jugendarbeit, Landwirtschaft, Solaranlagen gaben beide Kandidaten bereitwillig Auskunft und wurden vom Plenum mit lautem Applaus bedacht, ehe Ratsmitglied Roy Boxwell (Wachtendonker Bürgerverein) abschließend eine kurze Frage stellte. Was wäre, wenn die Kandidaten einen Wunsch für die Gemeinde freihätten, wollte er wissen. „Wenn ein zukunftssicheres Baugebiet bereits jetzt fertig wäre“, wünschte sich Mannitz und Hoene sagte: „Wenn ein Investor die Ölmühle kaufen und sanieren würde und wir müssten nichts dazu tun.“

Quelle: Rheinische Post von Martin van der Pütten

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